Rheuma-Liga Berlin

Ist Rheuma ein Armutsrisiko?

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Macht Rheuma arm? Und fördert Armut Rheuma? Ja, sagen deutsche Forscher vom Rheumazentrum Nord-Brandenburg.

In Deutschland gilt derjenige als arm, der als Single etwa 900 Euro monatlich verdient. Für eine vierköpfige Familie liegt die Grenze zwischen 1870 bis 2450 Euro netto. Erhöht eine rheumatische Erkrankung das Risiko für Armut? Das wollten Mitarbeiter um Dr. Michael Zänker am Rheumazentrum Nord-Brandenburg herausfinden. Deshalb befragten sie 158 Patienten mit Rheumatoider Arthritis (RA). Die Beteiligung war hoch: 98 Prozent der angefragten Patienten erklärten sich bereit, die anonymen Fragebögen auszufüllen. Die Ergebnisse lassen aufhorchen: Rheumatiker hatten mit 22,4 Prozent ein deutliches höheres Armutsrisiko als Gesunde in Brandenburg (13,6 Prozent).

Abschied von Aktivitäten

Allerdings geht es bei der Definition von Armut nicht nur um Geld. Arm ist auch derjenige, der etwa wegen seiner Erkrankung nicht mehr am beruflichen und gesellschaftlichen Leben teilhaben kann. Deshalb umfasste der Fragebogen auch zahlreiche Punkte zum Thema Erwerbstätigkeit und sozialen Aktivitäten. 40 Prozent der befragten Rheumatiker mussten wegen ihrer Erkrankung ihre sozialen Aktivitäten stark einschränken. Bei 38 Prozent betraf dies Hobbys oder Sport. 21 Prozent gaben an, dass es ihnen schwer fällt, auf öffentliche Verkehrsmittel zurückzugreifen. Jeder Dritte musste wegen der rheumatischen Erkrankung den Job wechseln, 26 Prozent wurden gar frühzeitig berentet.

Armut und Krankheit scheinen sich gegenseitig noch zu verstärken: Patienten mit einem Armutsrisiko ging es schlechter als den Rheumabetroffenen, die finanziell besser gestellt waren. Und sie verzichteten häufiger aus finanziellen Gründen auf verordnete oder angebotene Therapiemaßnahmen. Doch was war zuerst da – die Erkrankung oder die finanziellen Probleme?

Weitere Erkenntnisse erhoffen sich die Initiatoren aus der aktuellen Hauptstudie, an der mehr als 900 Patienten aus Brandenburg und aus einer Kontrollgruppe im Saarland teilgenommen haben. Die Studie erfolgte mit Unterstützung des Institutes Mensch, Ethik, Wissenschaft, des Berufsverbandes der Rheumatologen im Land Brandenburg, mehreren Kliniken und Praxen. Die Auswertung ist für dieses Jahr vorgesehen.

Quelle: Newsletter Spezial 01/2016, Deutsche Rheuma-Liga Bundesverband